Dieses ist eine frei erfundene Erzählung. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt!

Vom Schicksal getreten,
von der Liebe aufgefangen

Eine Geschichte über das Leben einer gestandenen Frau!
Die ersten Schritte

Wir schreiben das Jahr 1943, es ist noch immer Krieg. Klein und sehr hungrig war ich als ich das Licht der Welt erblickte. Mir war so kalt, dass ich laut nach Wärme schrie. Mama nahm mich, erschöpft wie sie war, in den Arm. Ich kuschelte mich ganz fest an ihren Körper. Mama hatte eine schöne Kinderwiege im Schlafzimmer stehen. Dort legte sie mich hinein, damit ich warm und mollig schlafen konnte. Wenn die Sirenen ertönten, war es für Mama nicht immer leicht, mich aus dem Bettchen zu nehmen, um in den dunklen Bunker zu laufen. Es war so schön warm in meiner Wiege, darum sträubte ich mich mit Händen und Füssen. Fing ich an zu weinen, weinten meine Geschwister gleich mit. Wahnsinnige Angst umschloss unsere Herzen, bei jedem Knall, den wir zu hören bekamen. Mama verstand es, uns zu beruhigen. Sie erklärte uns Kindern: "Der liebe Gott schimpft, darum schickt er uns ein Gewitter." Da wir alle lieb waren, wird uns nichts passieren" Dass sie selber vor Angst am ganzen Körper zitterte, bemerkten wir nicht. Dafür waren wir noch viel zu klein. Wenn die Sirenen zum zweiten Mal heulten, ging Mama mit uns zurück in unsere Wohnung. Die Fenster wurden weit aufgerissen, alle Vorhänge bei Seite geschoben, damit Licht in die Wohnung kam.
So klein wollte ich nicht bleiben. Immer brav, wuchs ich heran. Sehr schnell fing ich an zu krabbeln. Dann wollte ich auch gehen, wollte endlich auf meinen Füssen stehen. Vorsichtig hielt ich mich an Mamas Rock fest. Langsam zog ich mich in die Höhe. Plumps, machte es und ich landete auf meinen Po. Aua... schrie ich und weinte was das Zeug hielt. Meine Mama nahm mich tröstend auf den Arm. Sie streichelte mir über den Kopf und sagte: "Ach mein Kind, du bist noch zu jung, um auf deinen Füssen zu stehen. Warte, ich werde dir helfen, wenn du unbedingt schon laufen willst." Sie stellte mich wieder auf den Boden und hielt mich fest. Nun stand ich endlich, aber wie lernt man laufen? Ich bekam von hinten einen kleinen Schubs. Meine Füße stellten sich wie von selbst nach vorne. Mir wurde es schwindelig, ich hielt mich wacker an dem vor mir stehenden Tisch fest.
Jubel ertönte im Raum. Mama rief: "Kommt, schaut euch mal an, wie fein eure Schwester laufen kann." Ich drehte mich um und sah, wie meine Geschwister dumm drein schauten, denn ich war ja erst acht Monate alt. Meine Schwester Erna hielt die Arme auf und rief: "Ina komm zu mir, ich fange dich auf." Zögernd stellte ich einen Fuß vor den Anderen. Schnell landete ich in ihren Armen. Ups, der Anfang war gemacht. Jetzt wollte ich aber mehr und erforschte die Räume. Da war so Einiges, was ich nicht kannte. Alles was blinkte und glitzerte, nahm ich in die Hand. Vieles durfte ich wohl gar nicht betrachten. Sehr oft gab es einen Klatsch auf meine, ach so kleinen Fingerchen. Ich hatte nicht sehr nah am Wasser gebaut und steckte so manches weg. Wehe wenn ich die Flaschen, die auf dem Boden standen umwarf, dann gab es Hiebe, die mich lehrten besser aufzupassen.

Mein "Onkel " der zu dieser Zeit mit meiner Mutter zusammenlebte, konnte arg und feste zuschlagen. Er nahm den ersten Gegenstand den er greifen konnte, warf oder schlug ihn nach mir. Wenn ich merkte, dass er so komisch aus dem Mund roch, ging ich ihm immer aus dem Weg. Der Geruch kam wohl vom dem Getränk welches in den Flaschen war. Ich erforschte weiter die Welt mit meinen neugierigen Augen. Freute mich immer sehr, wenn Mama von der Arbeit nach Hause kam. Sie spielte gerne mit mir, darüber war ich überglücklich. So oft Mama Zeit hatte, ging sie mit mir spazieren. Meinen Geschwistern machte es keinen Spaß die Stadt zu erkunden, sie spielten lieber im Sandkasten.
Hatte mein "Onkel" zu viel getrunken, gab es sehr laute Auseinandersetzungen zwischen ihm und meiner Mama. Nach einiger Zeit hielt sie es mit diesem Mann nicht mehr aus. Sie trennte sich von ihm. Von der Zeit an, war es immer schön ruhig zu Hause. Meine Geschwister kümmerten sich liebevoll um mich. Erna, die älteste Schwester, steckte mich mittags ins Bett, was mir nicht gefiel. Sie wusste, dass ich auf Mama hörte, darum sagte sie mir, "Mama möchte es so, Ina." War das Erkunden der Welt doch sehr anstrengend, schlief ich auch sofort ein. Fröhlich wuchs ich heran, bis ich erkrankte. Ich bekam eine Krankheit, die heute wohl nicht mehr so bekannt ist. Rachitis, auch englische Krankheit genannt.